Ratgeber Arbeit 4.0

Digitalisierung der Arbeitswelt

Veränderung der Arbeitswelt?
Die Arbeitswelt von morgen steht für tiefgreifende und fortschritliche Veränderung. Im Zuge der Digitalisierung wird die Arbeitswelt vor allem durch die Vernetzung zwischen Mensch und Maschine und einem Kulturwandel geprägt.
Besonders junge hochqualifizierter Mitarbeiter fordern immer mehr zeitliche und örtliche Flexibilität, aber auch Kreativitätsräume ein. Die digitale Arbeitswelt stellt damit auch neue Anforderungen an die unmittelbare personelle Führung. Die Entwicklung neuer Formen von Kooperation, Koordination und Führung steht dabei im Mittelpunkt. (vgl. BAMS)
Dabei verschwinden daduch keinesfalls Arbeitsplätze, im Gegenteil, eine Vielzahl an neuen Jobprofilen entsteht:
…vom Hybrid Business Analyst, Data Scientist, Mobile Developer, Field Application Engineer über den Cief Digital Officer bis hin zum Scrum Master.
Neue Anforderungen durch Digitalisierung
Die Digitalisierung bringt neben Potenzialen auch Anforderungen an die Unternehmen mit:
  • Mitarbeiter müssen sensibilisiert werden
  • Mitarbeiter werden eine Kompetenzen-Transformation durchleben
  • Digitalkompetenz steht im Kontext der Weiterbildung
  • Innovationszyklen werden schneller
  • Arbeitsmodelle werden flexibler
Arbeit 4.0 als Chance
Die Digitalisierung ermöglicht Unternehmen große Chancen für die zukünftige Gestaltung der Arbeit. Beispielsweise in den Bereichen:
Automatisierung: Unterstützende Prozesse lassen sich anhand von automatisierten Abläufen erledigen, was mehr Freiraum für strategische und kreative Tätigkeiten zulässt.
Innovationskraft: Mit Hilfe von Open Innovation Lösungen und Wikis lässt sich Kreativität und Wissen bündeln und verarbeiten, was zu mehr Effektivität und Innovationskraft führt.
Flexibles Arbeiten: Mitarbeiter können losgelöst von bestimmten Orten arbeiten, wann und wo sie wollen.

Arbeit der Zukunft

Fortschritt, Digitalisierung, Industrie 4.0: Die Arbeitswelt wandelt sich und mit ihr die Anforderungen an die Beschäftigten. Das Bundesarbeitsministerium (BMAS) bietet jetzt ein Online-Tool, mit dem man in drei Minuten das eigene Idealbild von Arbeit herausfinden kann. Zudem lassen sich die eigenen Vorstellungen mit denen der Allgemeinheit vergleichen, die das BMAS in einer Studie ermittelt hat.

Die „Wertewelten Arbeiten 4.0-Studie“ ist Teil des vor einem Jahr vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gestarteten Dialogprozesses zum Thema „Arbeiten 4.0″. Sie stellt auf Basis von 1200 ausführlichen Interviews dar, wie Erwerbspersonen in Deutschland die heutige Arbeitswelt erleben und welche Arbeitswelt sie sich für die Zukunft wünschen. Die Antworten und auch tieferliegende Wertvorstellungen der Befragten macht die Studie in sieben sogenannten Wertewelten sichtbar – die zum Beispiel „den Wohlstand hart erarbeiten“ oder „engagiert Höchstleistungen erzielen“ heißen. Die Ergebnisse der Studie können für Beschäftigte und Arbeitgeber nützlich sein, die ihren Eindruck und ihre Vorstellungen von der Arbeitswelt mit der Allgemeinheit abgleichen möchten.
Die Studie bestätigt den Eindruck, dass sich die Tätigkeiten und die Ansprüche sowohl der Arbeitgeber als auch der Beschäftigten fundamental ändern. Aus Sicht des Bundesarbeitsministeriums funktioniert in der modernen Arbeitswelt das alte Prinzip des „one size fits all“ nicht mehr. Was die Bürger von ihrer Arbeit erwarten, ist höchst individuell. Deswegen plant Arbeitsministerin Andreas Nahles Veränderungen.

Im Rahmen des Dialogprozesses Arbeiten 4.0 führt das Bundesarbeitsministerium Workshops mit Experten aus Wissenschaft und betrieblicher Praxis durch und bezieht auch die Bürger in den Dialog mit ein unter anderem im Rahmen des deutschlandweiten Kinofestivals FUTURALE. Die Ergebnisse des Dialogs werden bis Ende des Jahres in ein Weißbuch einfließen, in dem die Gestaltungsoptionen für die Arbeitswelt 4.0 dargelegt werden.

Offizielle Internetseite des Zukunftsdialogs Arbeiten 4.0.

Arbeitsformen
Flexible Arbeitsformen beruhen auf neuen Technologien. Verbesserungen mobiler Endgeräte und Anwendungen wie Smartphones, Tablets und die Cloud ermöglichen das Arbeiten immer und überall. Viele Mitarbeiter wünschen sich mehr Flexibilität, um zwischen Beruf, Freizeit und der Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige agieren zu können. Wer seine Arbeit individuell ausgestalten kann, erlebt eine höhere Life-Balance, mehr Motivation und Leistung, so eine Studie vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO (2014). Neue Kommunikationstechnologien ermöglichen eine bessere Zusammenarbeit für international tätige Unternehmen. Tablets und Smartphones erleichtern das mobile Arbeiten. Virtual-Reality-Brillen unterstützen bei der Arbeit mit den Händen, zum Beispiel indem sie dem Mitarbeiter Informationen live einblenden. Die Arbeit wird einfacher und effektiver, doch  auch reine Home-Office-Modelle können Nachteile haben.
Neue Technik sollte der Arbeit dienen und in die Gesamtstrategie des Unternehmens passen. Nur wer seine Angestellten auch in Veränderungen einschließt, wird die Vorteile von technologischen Errungenschaften und flexiblen Arbeitsformen zu spüren bekommen. Jede Technologie erfordert eine Kultur.
Die klassische Büroarbeit wird sich in der Zukunft verändern. Unternehmen setzen verstärkt auf Freelancer und Outsourcing.
 
Arbeitsformen:
  • Projektarbeit
  • Teamarbeit: Qualitätszirkel, Projektgruppen, Arbeitsgruppen, Fertigungsteams, Teilautonome Arbeitsgruppen, virtuelle Teams
  • Telearbeit: Teleheimarbeit, alternierende Telearbeit, mobile Telearbeit
  • Zeitarbeit
  • Leiharbeit: Interim Management, Management auf Zeit
  • Jobsharing
  • Coworking
 
Die Projektarbeit mit konkreten Zielvorstellungen, Budgets und Zeitrahmen wird insbesondere durch die Internationalisierung der Wirtschaft eingesetzt. Von den Mitarbeitern werden Soft Skills erwartet. Fabrikarbeiter müssen mehr und mehr Softwarekenntnisse aufweisen. Interdisziplinäres Arbeiten gewinnt an Bedeutung. Insbesondere bei Projekten auf internationaler Basis sind virtuelle Teams vorteilhaft.
Das Arbeiten von zuhause aus, die Telearbeit, folgt den Ruf flexibler Arbeitsplatzgestaltung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wichtig ist es zu klären, ob die Kosten für Heimarbeitsplätze vom Arbeitgeber oder -nehmer zu tragen sind. Ebenso sind Aspekte des Arbeitsschutzes sowie der Datensicherheit miteinzubeziehen.
Klassische Büroräume werden nicht verschwinden, sind aber Veränderungen ausgesetzt. Dabei sind spezielle Raumkonzepte beispielsweise zur Gestaltung und Farbgebung bedeutsam.
Coworking ist vielen ein Begriff aus der Start-up-Szene. Sogenannte Coworking-Spaces, manchmal auch einfache Teeküchen, dienen als Treffpunkt des Austausches um im gemeinsamen Gespräch neue Ideen und Innovationen zu generieren. Insbesondere in Gründerzentren werden diese Orte genutzt um Workshops und Networking-Events stattfinden zu lassen.
Etablierte Konzepte werden auf den Prüfstand gestellt. Die Frage ob wir einer sinnstiftenden Arbeit nachgehen und Kollegen und Ort passen, ist wichtiger denn je geworden. Der Wandel der Arbeitswelt wird getragen von Faktoren wie Technologie, Raum und Mensch.
 
Umsetzung im Unternehmen
An dem Thema Arbeitsplatzgestaltung der Zukunft kommt kein Unternehmer vorbei. Faktoren wie Kommunikation, Wohlfühlen und Gesundheit, Arbeits- und Führungskultur sind für Fachkräfte richtungsweisend, wenn es darum geht, Mitarbeiter an ein Unternehmen zu binden. Folgend finden Sie zwei erfolgreiche Beispiele aus dem IHK-Bezirk, ein Dienstleistungsunternehmen und eine Brauerei, die sich dem Thema gestellt haben.
 
Beispiel 1: Bischofshof 
Die Brauerei Bischofshof hat mit ihrer Arbeitswelt den Spagat zwischen einem Traditionsunternehmen und einer modernen Brauerei gemacht. Eine neue Bürowelt, die „Bischofshof Arbeitswelt“, wurde gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) konzipiert.

Insbesondere die Produktion sollte mit der Verwaltung besser vernetzt werden. Durch Interviews und Leitfragen wurden die Mitarbeiter miteinbezogen. Ziel war es u.a. die Prozesse zu optimieren, den informellen Wissensaustausch zu fördern und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern.

Verglaste Büroräume und Konferenzräume sorgen für eine offene und kommunikative Atmosphäre. Ein papierloses Büro mit modernen Technologien verdeutlicht die Wege der Digitalisierung. Fitnessräume und ergonomische Einrichtungen spielen im betrieblichen Gesundheitsmanagement oben auf. Konferenzräume, die an ein Bierstüberl erinnern und altes Mobiliar nehmen Bezug zum traditionsreichen Brauer. Bischofshof gelingt es auf diese Weise hochinnovativ zu agieren, gerade auch, indem Althergebrachtes in die Umsetzung miteinbezogen wurde.

 
Beispiel 2: Omnicert
Die Omnicert Umweltgutachter GmbH ermöglicht in ihren neuen Büroräumen innovative und digitale Arbeitsabläufe.  Eine sehr flexible Arbeitsgestaltung sorgt für gesteigerte Motivation bei den Mitarbeitern und ebnet den Weg für eine förderliche Work-Life-Balance. Wann und von welchen Ort gearbeitet wird, unterliegt einer Portion Vertrauen, dafür aber wird den Mitarbeitern mehr Eigenverantwortung zugeschrieben. Die sehr wertschätzende und offene Atmosphäre, trägt dazu bei, eine Kultur zu entwickeln, welche offen für Innovationen ist. Um engagierte Mitarbeitende gewinnen und fördern zu können, sind transparente Prozesse und eine authentische, gelebte Unternehmenskultur notwendig. 
Die sehr offene Bürogestaltung fördert die Kreativität der Mitarbeiter. Es existieren keine Einzelbüros, dafür modern ausgestattete Konferenzräume und Räume, um ungestört kreative Ideen zu entwickeln. Arbeitsabläufe werden durch die internen digitalen Systeme äußerst effektiv gestaltet. Alle Geschäftsprozesse und Informationen werden nur digital vorgehalten.
 
Arbeiten 4.0: Bundesarbeitsministerium startet Experimentierräume
Wer nun ähnlich wie Omnicert oder Bischofshof sich mit der Arbeit der Zukunft beschäftigen möchte, findet viele Anregungen in den Experimentierräumen vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Diese haben betriebliche Lern- und Experimentierräume für Arbeitsinnovationen entwickelt. Unternehmen sollen ermutigt werden neue Arbeitsweisen zu erproben und umzusetzen.
Die Experimentierräume geben Arbeitgeber und Arbeitnehmern die Möglichkeit, gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln, mit denen Sie den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung begegnen. Die Transferplattform soll ein Ort der Vernetzung und des Austausches sein, an dem Unternehmen beispielhaft ihre Lern- und Experimentierräume präsentieren und sich über andere Projekte informieren können. Wichtige Themenfelder sind: Wissen und Qualifizierung, Führung und Zusammenarbeit, Arbeitszeit und Arbeitsort, Arbeitsplatzgestaltung und Gesundheit.
Sehen auch Sie sich als Vorreiter in der Arbeitswelt der Zukunft oder sind Sie auf der Suche nach Lösungen? Gerne können Sie Ihre kreativen Ideen mit anderen teilen und Ihren Experimentierraum auf der Plattform zeigen.
Die Digitalisierung verändert die Qualifikationsanforderungen der Mitarbeiter.  Adäquate Fachkräfte zu finden gestaltet sich zunehmend als schwierig und gilt daher als große Herausforderung für den Bereich Human Ressources (HR).
Neue Technologien entlasten Recruiter, dadurch bleibt weitaus mehr Zeit  um sich auf das Wesentliche im Bewerbungsprozess als auch die internen Mitarbeiter zu konzentrieren. Doch welche Möglichkeiten bieten das Internet und technische Tools für das Bewerbungsmanagement?
Die Ansprache von Talenten passiert immer öfter auf Sozialen Netzwerken wie LinkedIn, Xing oder auch Fanpages von Firmen. Insbesondere um junge Azubis anzusprechen zeigen sich Social Media als vorteilhaft.  Im digitalen Zeitalter arbeiten Personalfachleute mit Administrationstools, die die Onlinebewerbung automatisch entgegen nehmen und einen sofortigen Status an den Bewerber aussenden. Bewerbungsgespräche im internationalen HR-Bereich über die Webcam sind an der Tagesordnung.
Insgesamt machen Prozessautomation, Social Media oder Analysewerkzeuge die Personalgewinnung effizienter. Wichtig ist es jedoch immer noch die Zielgruppe im Auge zu behalten. Hinter jedem Bewerber steckt eine Persönlichkeit. Algorithmen können diese nicht unbedingt auslesen. Letztendlich ist es immer noch der HR-Experte, der die Entscheidung am Ende des Tages trifft. Insbesondere die Generation Y und die Digital Natives werden den digitalen Bewerbungsprozess mitgehen. Werden jedoch Topmanager gesucht, ist Netzwerken und letztendlich die Direktansprache die beste Lösung. Erfolg bringt der Methoden-Mix.
In der Praxis sind viele rechtliche Themen, in denen die Digitalisierung der Arbeitswelt Änderungen und Anpassungen erfordert noch ungeklärt. Es wird beispielsweise noch geklärt werden müssen, inwieweit Daten Eigentum eines Unternehmens sind oder in Zeiten von Crowdworking zumindest als „Rohdaten“ Allgemeingut sind. Für Unternehmen gewinnen Datensicherheit und Datenschutz auf jeden Fall an Bedeutung.
Der Trend zu flexiblen Arbeitszeiten und dezentralen Arbeitsorten schreitet mit der Digitalisierung voran. Dabei sind dennoch die gegenwärtigen Arbeitszeitregelungen zu beachten. Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) regelt die tägliche Arbeitszeit von Arbeitnehmern, um deren Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeitszeitgestaltung zu gewährleisten. Auch treten hinsichtlich neuer Technologien und veränderten Arbeitsformen rechtliche Fragen zum Arbeitsschutz auf. Hierzu müssen ebenso die aktuellen Vorschriften beachtet werden. Quelle: IHK Regensburg

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützt kleine und mittlere Unternehmen mit dem ESF-Förderprogramm unternehmensWert:Mensch plus dabei, die digitale Transformation in ihrem Betrieb innovativ zu gestalten.
Unternehmenswert MenschPlus unterstützt Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten, Angehörige der Freien Berufe und gemeinnützige Unternehmen im Rahmen einer professionellen, geförderten Unternehmensberatung dabei, ihr Unternehmen fit für die Digitalisierung zu machen, innovative Konzepte für die Arbeit in der digitalen Transformation zu erproben und so individuelle Lösungen zu gestalten.
Durch Beratungsleistungen sollen KMU dabei unterstützt werden, nach Maßgabe einheitlicher methodischer Vorgaben betriebliche Lern- und Experimentierräume einzurichten, die sich in drei Phasen untergliedern. Diese Lern- und Experimentierräume sollen KMU befähigen, Innovationen mithilfe einer mitarbeiterorientierten und agilen Methode in Gang zu setzen. Die Förderung umfasst max. 12 Beratungstage von autorisierten Beratern.

Weitere Informationen und Ansprechpartner

Kontakt
  • IHK für Rheinhessen // Schillerplatz 7 // 55118 Mainz
  • digitalisierung@rheinhessen.ihk24.de
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